Seine Verärgerung über den späten Ausgleich hatte Bundestrainer Joachim Löw schnell verarbeitet. Für ihn geht es in diesen Spielen vor dem EM-Start im Juni 2021 um Grundsätzliches.

Bundestrainer Joachim Löw haderte nicht lange mit dem späten Ausgleich gegen Spanien. imago images
Emre Can (26) zählt zu den emotionaleren Typen in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Was er zunächst "ärgerlich" und in der sich bald anschließenden Steigerung "sehr ärgerlich" fand, war für Julian Draxler (26), einen eher ruhigen Charakter, "bitter". Beide Nationalspieler beklagten den späten 1:1-Ausgleich, den das DFB-Team erst in der sechsten Minute der Nachspielzeit zum Auftakt der Nations League gegen Spanien hatte akzeptieren müssen. Joachim Löw (60), nach eigenem Bekunden ebenfalls zumindest "ein bisschen enttäuscht", wollte sich mit dem nackten Resultat nicht allzu lange beschäftigen. Dem Fußballlehrer geht es in der anstehenden Fortsetzung des Neuaufbaus und Verjüngungsprozesses um Grundsätzliches. "Ergebnisse sind nicht das Allerwichtigste", betonte der Bundestrainer nachdrücklich, "ich möchte Entwicklungen." Seine Spieler sollten individuell und kollektiv "Schritt für Schritt manche Dinge durchziehen", denn 2021, bei der Europameisterschaft, möchte Löw "eine Mannschaft haben, die in der Lage ist, das eigene Spiel durchzuziehen".
Bei einigen Kontern fehlten der finale Pass und die letzte Konsequenz
Vor allem in der ersten Halbzeit hatte der DFB-Chefcoach "ein echt interessantes, hoch intensives Spiel" gesehen, von beiden Teams "taktisch sehr mutig" interpretiert, mit beiderseitigem Pressing und letztlich den, wie Löw zu Recht reklamierte, "besseren Chancen" für die deutsche Mannschaft. Doch Leroy Sanés (24) harten Linksschuss wehrte Spaniens Keeper David de Gea (29) prima ab (18.), bei einigen Kontern fehlten der finale Pass und die letzte Konsequenz, so bei Sanés Zögern, das Thiago (29) zu einer rettenden Grätsche nutzte (53.). Genauso unentschlossen vollendet wurde der feine Tempogegenstoß über Draxler und Sané, der noch auf Timo Werner querlegte, doch zu weit, so dass der Angreifer das Außennetz traf (61.). In dieser Szene wurde das 2:0 verpasst, nachdem Werner eine schöne Kombination, die Ilkay Gündogan (29) mit einem herrlichen Diagonalschlag auf die linke Flanke einfädelte, Robin Gosens (26) mit einer klugen Hereingabe fortführte, ehe sie Werner mit einem kurzen Dribbling und präzisen Flachschuss veredelte, 1:0.
Von diesem Zeitpunkt an verlagerte sich das Spiel immer mehr in die Richtung des deutschen Strafraums. Angreifer Draxler hätte sich deswegen verständlicherweise "schon gewünscht, dass wir den einen oder anderen Spieler mehr vorne gehabt hätten, um Entlastung zu haben". Aber, auch da lieferte der Edeltechniker, der an diesem Abend leider nur Ansätze seines Könnens andeutete, die passende Analyse: "Das ist leichter gesagt als getan, weil die Spanier auch wissen, mit dem Ball umzugehen." Zur Spielkunst des guten Gegners kam noch die nicht optimale physische Verfassung der deutschen Mannschaft zu diesem Saisonzeitpunkt, die sich immer mehr negativ auswirkte. Und dann störten eben noch eigene Fehler und Defizite.
Löw: "Sowas passiert jeder Mannschaft"
Da müsse künftig "einiges" bearbeitet werden, "das ist klar", sagte Löw und präzisierte: "Wir haben in der Vorwärtsbewegung einige Bälle verloren, das kostet Kraft und Energie. In der Schlussphase haben wir einige Kopfbälle verloren im Sechzehner. Das sind die Kleinigkeiten, die es ausmachen." Und die dann eben einen Gegentreffer in letzter Minute bringen, weil der insgesamt ordentlich spielende Debütant Gosens bei der Flanke von Ferran Torres (20) ins Leere grätschte und im Zentrum bei der Kopfballvorlage von Rodrigo Moreno (29) die Zuordnung nicht stimmte, so dass Verteidiger Luis José Gaya (25) abstauben konnte, 1:1. "Wir müssen noch lernen, einen Vorsprung bis zur letzten Minute zu verteidigen", sagte Löw, "aber sowas passiert jeder Mannschaft", umso mehr einer jungen, noch in der Findungs- und Optimierungsphase befindlichen.
Also durfte Löw insgesamt einverstanden sein mit dem Vortrag seiner Auserwählten. "Die positiven Erkenntnisse nehme ich mit", sagte er und meinte beispielsweise gewiss das ständige Bemühen, Spaniens Pressing spielerisch und unter häufiger Einbeziehung des Torhüters Kevin Trapp (30) zu überwinden. Zudem hätten sich "ein paar Spieler positiv gezeigt". Tormann Trapp zählte dazu, Gosens bei seiner Premiere, auch der lange verletzte, meist stellungssichere Süle oder der flinke Sané, dem es allerdings noch an der Praxis mangelt nach seinem Kreuzbandriss.
Aber der körperliche Zustand ist nach diesem von Corona verursachten Durcheinander im internationalen Terminkalender ohnehin ein heikles Thema - schon jetzt wie das gesamte, mit Spielen nonstop vollgepfropfte EM-Jahr.
September 04, 2020 at 04:35PM
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Entwicklung statt Ergebnisse: Für Löw geht es um Grundsätzliches - kicker
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