Pages

Wednesday, July 15, 2020

Ungewöhnliche Entwicklung - DVZ.de - Deutsche Verkehrs-Zeitung

kenagusuran.blogspot.com

Ingo Bauer, Leiter Transport und Logistik bei PWC. (Foto: PWC)

„Weiterhin Risiken eingehen“

Nach der Finanzkrise 2008 gab es einen Trend unter amerikanischen Airlines, die ihren freien Cashflow in Aktienrückkäufe investierten. Erwarten Sie etwas Vergleichbares durch die Coronakrise?

Ingo Bauer: Dies ist bisher nicht absehbar. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass Liquidität notwendig ist, um diese schwierigen Zeiten zu überstehen. Hinzu kommt, dass die Bedingungen des staatlichen Hilfspakets in den USA Ausschüttungen an Aktionäre verbieten. Logistikunternehmen, die Kredite aus dem Hilfsprogramm in Anspruch nehmen, könnten frühestens zwölf Monate nach Rückzahlung dieser Kredite Rückkäufe oder Dividendenausschüttungen durchführen.

Ist es grundsätzlich richtig, dass Logistikunternehmen immer mehr am Aktienmarkt spekulieren, statt Rücklagen zu bilden?

Investitionen am Kapitalmarkt stehen normalerweise im Zusammenhang mit der Unternehmensstrategie und verfolgen damit einen bestimmten Zweck, daher sollten sie nicht generell als spekulativ bewertet werden. Es obliegt dabei den Unternehmen, welche Rücklagen als notwendig erachtet werden. Gerade jetzt kommt es bei den Unternehmen auch darauf an, bisherige strategische Investitionen zu hinterfragen hinsichtlich ihres Wertbeitrages.

Erwarten Sie einen Anstieg von M&A-Aktivitäten, wenn die Insolvenzantragspflicht im Oktober wieder in Kraft tritt?

Es ist nicht auszuschließen, dass es aufgrund von Liquiditätsengpässen zu vermehrten M&A-Aktivitäten kommt. Dabei muss der Auslöser in dieser Marktlage nicht zwangsweise die Insolvenzantragspflicht sein. Es könnte durchaus eine Konsolidierung der Unternehmen im Logistikmarkt induziert durch die Coronakrise geben. Strategische Zukäufe, um gerade auch in der Krise die eigene Wettbewerbsposition zu stärken und weiter auszubauen, sind dabei sehr wahrscheinlich.

Sie sagen, die größte Herausforderung für Unternehmen in 2020 wird es sein, zu überleben. Was können Logistikunternehmer tun, um ihre Überlebenschancen zu verbessern? Creditreform-Geschäftsführer Volker Ulbricht sagt, Risikoaversion wird wichtig sein. Stimmen Sie ihm zu?

Unternehmerische Entscheidungen zu treffen bedeutet auch, Risiken einzugehen. Eine ausgeprägte Risikoaversion kann auch zum Untergang eines Unternehmens beitragen. Insofern müssen weiterhin Risiken eingegangen werden. Aber wie schon vor der Krise müssen diese auch in der Krise bewertet und darauf basierend Entscheidungen getroffen werden. Hierin besteht aber auch gleichzeitig eine Chance, die eigenen Risikomanagementsysteme zu überprüfen und mit den Auswirkungen und Erkenntnissen aus der Krise neu zu justieren. Für Logistikunternehmer wird es notwendig sein, den Markt und seine Kunden genau zu beobachten. Verlegen diese zum Beispiel ihre Aktivitäten, kann es notwendig sein, dort neue Kapazitäten auszubauen und in anderen Regionen zu reduzieren. Intern zeigt diese Krise, dass es notwendig ist, seine Leistungskennzahlen genau zu kennen und sich auf zuverlässige Informationen aus den eigenen Systemen stützen zu können. Existiert eine solche technische und personelle Infrastruktur nicht, so ist ein Auf- und Ausbau anzuraten, um Entscheidungen so faktenbasiert wie möglich treffen zu können.




July 14, 2020 at 11:48PM
https://ift.tt/3j8qOvF

Ungewöhnliche Entwicklung - DVZ.de - Deutsche Verkehrs-Zeitung

https://ift.tt/2ZtMFVj
Entwicklung

No comments:

Post a Comment